Leistenbruch

Ein Leistenbruch ist eine Lücke in der Bauchwand im Bereich der Leiste durch die Bauchorgane vorfallen können. Es gibt verschiedene Arten von Leistenbrüchen, die aber zumeist gleich behandelt werden. Leistenbrüche können angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein. Sie können auch auf beiden Seiten gleichzeitig oder nacheinander auftreten.
Das Auftreten von Leistenbrüchen wird durch Bindegewebsschwäche, Übergewicht, chronischer Verstopfung, chronischem Husten begünstigt.

"Klassischer Leistenbruch"

Zwischen den Bauchmuskeln und dem Leistenband liegt der so genannte Leistenkanal. Durch ihn verlaufen beim Mann der Samenstrang und die Hodengefäße, bei der Frau das Aufhängeband der Gebärmutter.
Beim Leistenbruch stülpt sich das Bauchfell entweder durch den Leistenkanal oder daneben nach außen vor. Man spricht dann auch von einem Bruchsack.

Schenkelbruch

Beim Schenkelbruch befindet sich die Lücke zwischen Leistenband und Beckenknochen.

Symptome

Ziehende, anfänglich leichte Schmerzen in der Leiste, vor allem bei Belastung. Schwellung in der Leiste, die sich zurückdrücken lässt.

Untersuchung

Ärztliche körperliche Untersuchung (im Stehen und im Liegen).

Therapie

Ein Leistenbruch bildet sich niemals von selbst zurück. Er kann sogar mit der Zeit immer größer werden. Nur eine Operation kann die Lücke in der Leistenwand schließen und damit die Gefahr verhindern, dass Organe eingeklemmt werden.
Heutzutage wird ein Leistenbruch mit einem Kunststoffnetz versorgt, da hierbei die Gefahr von neuen Leistenbrüchen nach einer Operation deutlich geringer ist. Der Eingriff kann entweder als minimal-invasive Operation oder als offene Operation (konventionelle Operation) erfolgen.

Nach der Operation

Nach dem minimal-invasiven Eingriff dauert der Krankenhaus-Aufenthalt etwa zwei Tage. Der offene Eingriff kann auch ambulant, das heißt ohne Krankenhausaufenthalt erfolgen.
Nach beiden Eingriffen sollte man sich für 14 Tage körperlich schonen.

Eingeklemmter (inkarzerierter) Leistenbruch

Ein Leistenbruch wird dann gefährlich, wenn Teile von Organen - vor allem Darmschlingen - in die Lücke rutschen, dort einklemmen und dadurch nicht mehr mit Blut versorgt werden. Dies kann einen Darmverschluss verursachen.

Symptome

Zunehmende starke Schmerzen in der Leiste mit fester, schmerzhafter Schwellung in der Leiste, die sich nicht mehr zurückdrücken lässt. Später auch Bauchschmerzen und Übelkeit.

Untersuchung

Ärztliche körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen, Ultraschall.

Therapie

Ein eingeklemmter Leistenbruch sollte in den ersten sechs Stunden nach Auftreten operiert werden, wenn sich im Ultraschall Darmschlingen im Bruch zeigen. In der akuten Situation wird meist die offene Operation (konventionelle Operation) durchgeführt. Besteht der eingeklemmte Bruch schon länger, so muss manchmal auch ein Stück des eingeklemmten Darmes entfernt werden.

Nach der Operation

Wurde bei der Operation kein Darm entfernt, so dauert der Aufenthalt im Krankenhaus etwa drei bis sechs Tage. Musste Darm entfernt werden, so verlängert sich der Aufenthalt um mehrere Tage.

Operationen bei Leistenbruch


Heutzutage wird ein Leistenbruch meist mit einem Kunststoffnetz versorgt, da hierbei die Gefahr von neuen Leistenbrüchen nach einer Operation deutlich geringer ist. Dennoch kann in bestimmten Fällen eine Operation ohne Kunststoffnetz sinnvoll sein.

Der Eingriff kann entweder als minimal-invasive Operation oder als offene Operation (konventionelle Operation) erfolgen. Welche Methode wir anwenden, besprechen wir mit Ihnen in einem ausführlichen Aufklärungsgespräch.

Minimal-invasive Operation (TAPP-Operation)

Über drei kleinste Schnitte im Unterbauch werden eine Kamera und spezielle Instrumente in die Bauchhöhle eingebracht. Dann wird in dieser Technik ein etwa 10 mal 15 Zentimeter großes Kunststoffnetz innen vor die Bruchstelle gelegt. Das Netz verwächst von selbst mit dem Gewebe. Es wirkt dort wie ein Trampolin und verhindert, dass sich Darm durch die Leistenwand drücken kann. Zum Schutz des Darmes wird das Netz unterhalb des Bauchfells gelegt. Diese Operation wird nur in Vollnarkose durchgeführt und dauert etwa 60 Minuten.
Nach einer minimal-invasiven Operation sind unsere Patienten schneller wieder mobil und können meist nach zwei bis drei Tagen das Krankenhaus wieder verlassen. Die Risiken von Komplikationen nach der Operation wie Thrombosen, Lungenembolien oder Lungenentzündungen sind bei dieser Methode deutlich geringer. Da man die kleinen Schnitte kaum sieht, sind die kosmetischen Ergebnisse sehr gut.

Offene Operation (Operation nach Lichtenstein, MIT Kunststoffnetz)

Bei der offenen Operation machen wir einen etwa acht Zentimeter langen Schnitt an der Leistenhaut. Die Bauchschichten werden durchtrennt und der Leistenkanal freigelegt. Anschließend wird der Bruchinhalt in die Bauchhöhle zurückverlagert und der Bruchsack eingestülpt oder abgetragen. Dann wird ein etwa 8 mal 12 cm großes Kunstsstoffnetz auf die Hinterwand des Leistenkanals gelegt und hier befestigt. Dann werden die Bauchschichten wieder verschlossen.
Diese Operation kann in Vollnarkose, Regionalanästhesie oder auch mit einer örtlichen Betäubung erfolgen. Sie kann in den meisten Fällen auch ambulant durchgeführt werden und dauert etwa 60 Minuten.

Offene Operation (Operation nach Shouldice, OHNE Kunststoffnetz)

Auch hier machen wir einen etwa acht Zentimeter langen Schnitt an der Leistenhaut. Die Bauchschichten werden durchtrennt, und der Leistenkanal freigelegt. Anschließend wird der Bruchinhalt in die Bauchhöhle zurückverlagert und der Bruchsack eingestülpt oder abgetragen. Hierbei werden jedoch die körpereigenen Schichten (Bindegewebshüllen und Muskeln) durch spezielle Nahttechniken verbunden, so dass eine festere Gewebeplatte an der Leistenkanalhinterwand entsteht. Dann werden die Bauchschichten wieder verschlossen.
Diese Operation kann in Vollnarkose, Regionalanästhesie oder auch mit einer örtlichen Betäubung erfolgen. Sie kann in den meisten Fällen auch ambulant durchgeführt werden und dauert etwa 60 Minuten.