Mastdarmkrebs

Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) ist eine Sonderform des Dickdarmkrebses, an der jährlich in Deutschland etwa 15 Menschen pro 100 000 Einwohner erkranken. Befallen sind hier die letzten 16 cm des Dickdarmes vor dem Darmausgang.  Der Mastdarmkrebs ist eine typische Tumorerkrankung im höheren Lebensalter, die im Vergleich zum Dickdarmkrebs eine etwas ungünstigere Prognose hat, dafür aber mit einfacheren Mitteln diagnostiziert werden kann.
Auch der Mastdarmkrebs und seine Vorstufen können durch die Vorsorgekoloskopie frühzeitig erfasst bzw. ausgeschlossen werden. Bei der operativen Therapie gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, jeder Einzelfall muss nach anatomischen Gegebenheiten und Besonderheiten des Tumors individuell angegangen werden.

Risikofaktoren

  • Hohe Fettzufuhr in der Nahrung,
  • schlackenarme Kost und auch
  • genetische Faktoren sollen eine Rolle bei der Entstehung des Mastdarmkrebses spielen.

Symptome

  • Beimengung von Blut und/oder Schleim im Stuhl
  • Leistungsabfall
  • vermehrtes Pressen beim Stuhlgang
  • ungewollte Gewichtabnahme
  • Bleistift-dünner Stuhl
  • Gefühl, Stuhlgang nicht vollständig entleeren zu können
Früherkennung

Wie bei anderen Krebsarten sind die Heilungschancen verbessert, wenn der Tumor bereits in seinen Frühstadien zu erkannt wird.
Da der Dickdarmkrebs in seinen frühen Stadien keine Symptome verursacht,  ist die Früherkennung durch die Vorsorge-Dickdarmspiegelung von herausragender Bedeutung. Deshalb wird eine Vorsorge-Koloskopie ab dem 55. Lebensjahr dringend empfohlen, bei auftretenden Symptomen und Risikopatienten auch eher.

Wissenswert hierzu:

  • Die Bestimmung des Tumormarkers CEA im Blut ist keine Screeningmethode und ersetzt die Koloskopie nicht
  • Auch die Bestimmung von verborgenem Blut im Stuhl (Hämoccult) kann wegen vieler Fehldeutungen die Koloskopie nicht ersetzen

Sollte trotz Früherkennung eine Darmkrebserkrankung auftreten, so liegt die Heilungschance bei über sechzig Prozent, wenn die Behandlung in kompetenter ärztlicher Hand liegt.
Im EVK Lippstadt behandeln wir Patienten mit Tumorerkrankungen nach den modernsten und aktuellsten Wissen und Techniken.
Wir bündeln die Kompetenzen der unterschiedlichen Fachabteilungen für die Behandlung von Krebserkrankungen in unserem fachübergreifenden Tumorboard. Hier werden die Therapiekonzepte aller unserer Krebspatienten interdisziplinär besprochen. An dieser Konferenz, die wöchentlich stattfindet, nehmen Onkologen, Internisten, Chirurgen, Strahlentherapeuten, Radiologen, Gynäkologen und Pathologen teil.

Seit Jahren sind wir erfolgreich Mitglied im Westdeutschen Darmkrebszentrum (WDC) (Siegel des WDC einsetzen oder Kopie der Urkunde).

Untersuchung des Mastdarmes

  • ärztliche körperliche Untersuchung des Bauchraumes
  • Austasten des Mastdarmes mit dem Finger
  • Spiegelung des unteren Mastdarmes
    Aus den auffälligen Bereichen des Mastdarmes werden hierbei schmerzfrei Proben zur feingeweblichen Untersuchung entnommen.
    Für die Spiegelung des Mastdarmes ist keine vorbereitende Darmspülung notwendig.
  • Ultraschall-Untersuchung des Mastdarmes

Weitere Untersuchungen

  • Blutuntersuchungen
  • Ultraschall des Mastdarmes (Endosonographie) (zur Bestimmung der Tumorausdehnung)
  • Computertomographie
  • Vollständige Dickdarmspiegelung (Koloskopie) zum Ausschluss weiterer krankhafter Veränderungen des Dickdarms (Zweittumor)
  • MRT des Becken
Operation

Wie beim Dickdarmkrebs kann auch beim Mastdarmkrebs („Rektumkarzinom“) in frühen Stadien eine alleinige Polypabtragung durch das Rektoskop oder das Koloskop bereits ausreichend sein

Die chirurgische Therapie in späteren Stadien besteht in der vollständigen Entfernung des Tumors mit angrenzenden Abschnitten unter Mitnahme des Lymphabflussgebietes.
Aufgrund der engen anatomischen Nachbarschaft zu Organen wie Scheide, Gebärmutter, Blase und Prostata ist die Anforderung an die chirurgische Therapie beim Rektumkarzinom deutlich höher als beim höher gelegenen Dickdarmkrebs. Weiterhin durchziehen das Becken komplexe Nervengeflechte das Becken, die sowohl für den Stuhlgang als auch für die Sexualfunktion bedeutsam sind. Daher ist die Expertise der Chirurgen sowohl für die minimal-invasiven Operationen als auch für die offene Operation, so wie sie in unserer Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am EVK Lippstadt besteht, ausgesprochen wichtig.
Den tumortragenden Darm und entsprechenden Lymphknoten (TME) entfernen wir meist vollständig durch eine minimal-invasive Operation, bei der lediglich für die Bergung des Darmsegmentes eine kleine quere Hautinzision im Slipbereich nötig ist.

Bei komplizierten Mastdarmkrebsoperationen wird zur vorübergehenden Stuhlableitung gelegentlich für zwei bis drei Monate ein vorgeschalteter künstlicher Dünndarmausgang angelegt, der dann in einer weiteren kleinen Operation wieder verschlossen wird.

Ab dem Tumorstadium T3 oder beim Vorliegen von Lymphknotenmetastasen ist eine vorbereitende (neoadjuvante) Therapie (Bestrahlung und Krebsmedikamente) erforderlich. Der Tumor spricht in der Regel sehr gut hierauf an, so dass günstigere Voraussetzungen für die Operation geschaffen werden können.

Nach der Operation

Üblicherweise folgt nach der Operation ein eintägiger Aufenthalt auf der Intensivstation zur Überwachung. Da wir zu dem Eingriff einen Schmerzkatheter (PDK) nutzen können sie schnell und fast schmerzfrei wieder aus dem Bett aufstehen. Sie können auch bereits am Tag der Operation wieder trinken und Joghurt sowie Brühen zu sich nehmen. Sobald Ihr Darm wieder seine Tätigkeit aufnimmt (er „streikt“ gerne kurz nach einer Operation für eine kleine Weile) erhalten Sie wieder leichte Kost.
Der Krankenhausaufenthalt nach der Operation liegt bei fünf bis zehn Tagen.

Medikamentöse Behandlung

Der entfernte Darm wird zu einer feingeweblichen (histologischen) Untersuchung zum Pathologen geschickt. Dort wird der Tumor nach bestimmten Kriterien in Stadien eingeteilt (sog. TNM-Stadien). Bei den Stadien T3 und höher oder bei Befall von Lymphknoten ist nach der Operation eine medikamentöse Nachbehandlung (Chemotherapie) oder Strahlenbehandlung empfohlen.

Nachsorge

Die Nachsorgeuntersuchungen sollen eventuell auftretende Metastasen und neue Polypen im Darm frühzeitig  entdecken. Die Art der Nachsorgeuntersuchungen und die zeitliche Abfolge wird durch Empfehlungen der Fachgesellschaften (www.awmf.de) geregelt. Das Nachsorgeprogramm dauert insgesamt 5 Jahre, in denen in bestimmten Zeiträumen folgende Untersuchungen vorgesehen sind:

  • körperliche Untersuchung
  • Laboruntersuchung
  • Sonographie (Ultraschall)
  • Ultraschall des Mastdarmes
  • Koloskopie (Dickdarmspiegelung)
  • Computertomograhie

Die Termine für die notwendigen Nachsorgen werden Ihnen bei der Entlassung mitgeteilt.

Metastasen

Einige Patienten haben  zum Zeitpunkt der Tumordiagnose bereits Tochtergeschwülste (Metastasen), meist in der Leber, gelegentlich auch in der Lunge oder in anderen Organen. Der Tumor hat dann „gestreut“.

Heutzutage können wir auch in diesen Fällen die Metastasen durch operative Entfernung, Abtötung durch Hochfrequenzstrom (Radiofrequenz-Ablation) und/oder einer Chemotherapie behandeln. Auch Lungenmetastasen sind in vielen Fällen operativ vollständig entfernbar, so dass der Nachweis von Metastasen nicht zwangsläufig Unheilbarkeit bedeutet.