Internationaler Tag der Pflege - Krankenschwester im EVK Lippstadt seit 33 Jahren - Christine Richstein-Rocholl: „Unsere Arbeit muss Würde schaffen“

Christine Richstein-Rocholl setzt eine Familientradition fort. Schon die Tante und die Mutter waren Krankenschwestern. Die 59jährige trat in diese Fußstapfen und ist Krankenschwester im Evangelischen Krankenhaus Lippstadt.

„Es sind die leisen Töne auf die man hören muss“, sagt die Frau, die inzwischen stellvertretende Stationsleiterin auf der Ebene vier ist. Hier liegen die Patienten aus der Inneren Medizin und der Neurologie. Die Krankheitsbilder sind so unterschiedlich wie die Menschen hier. „Wir müssen flexibel sein. Die Patienten kommen aus unterschiedlichen Kulturen, haben verschiedene Altersklassen und soziale Hintergründe“, beschreibt Christine Richstein-Rocholl ihren Arbeitsalltag. Und: „Wir leisten weit mehr als Medikamente geben, Betten aufschütteln und Behandlungsabläufe überwachen.“

Patienten haben Ängste – fast immer. Oft genug müssen sie im Krankenhaus Situationen aushalten, mit denen sie nur schwer umgehen können. Wie fühlt es sich an, von fremden Menschen gewaschen zu werden? Wie fühlt es sich an, nicht zur Toilette gehen zu dürfen? Kontrolle über sich abzugeben oder – vermeintlich – seine Würde zu verlieren?

„Unsere Arbeit muss Würde schaffen“, sagt Christine Richstein-Rocholl. Jeden Tags aufs Neue. Und sie erzählt von Patienten, „die schockgefrieren, wenn sie sich von einer Pflegekraft duschen lassen“. Von Patienten, denen ein Missgeschick passiert ist. Die deshalb verzweifelt sind, aggressiv sind und sich schämen. „Da bin ich ehrlich. Da sage ich, das ist schlimm, aber nicht zu ändern. Ich bin da, wenn sie Hilfe brauchen. Das ist meine Aufgabe.“ Genau das ist es. Da sein, wenn jemand Hilfe braucht. Christine Richstein-Rocholl: „Deshalb habe ich diesen Beruf gewählt.“

Verständnis zeigen, Ruhe bewahren – das hat sie gelernt – in 33 Jahren Berufstätigkeit. Sie hat auch gelernt, dass kleine Dinge eine große Wirkung haben können. „Ich habe gelernt, dass ein Mensch sich wertgeschätzt fühlt, wenn ich anklopfe bevor ich sein Krankenzimmer betrete – egal wie krank oder orientiert er ist.“

44 Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger gehören zum Team der Ebene vier im EVK Lippstadt. Die Patienten hier sind oft Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Menschen, die aufgrund ihres Alters nicht mehr gut hören und sehen können oder bei denen das Gedächtnis streikt. Christine Richstein-Rocholl: „Diesen Menschen würdig zu begegnen, heißt, ihnen nie das Gefühl zu geben, nicht mehr mündig zu sein.“ Und weiter: „In unserer Arbeit muss ich immer den Menschen sehen, nicht nur seine Krankheit.“

Den würdigen Umgang mit den Menschen, für die sie als Krankenpflegerin im Krankenhaus verantwortlich ist, hat Christine Richstein-Rocholl nicht in der Ausbildung gelernt. „Vor 33 Jahren hatte das Thema noch nicht denselben Stellenwert wie heute.“ Und weiter: „Lebenserfahrung hilft in unserer Arbeit sehr.“

Christine Richstein-Rocholl und ihr Team geben ihr Bestes – Tag für Tag. Im oft hektischen Klinikalltag versuchen sie, „das wirklich Bestmögliche für unsere Patienten herauszuholen.“  Und oft genug bedanken sich die Patienten für die Ruhe, die Christine Richstein-Rocholl ausstrahlt, für ihr Zuhören, für ihr einfach da sein: „Unsere Patienten und ihre Angehörigen würdigen unsere Arbeit in der Regel. Die Politik und Teile der Gesellschaft noch nicht genug. Zum Erhalt würdiger Versorgung und unserer Pflegestandards muss von der Politik mehr getan werden.“

BU: Ein würdiger Umgang mit den Patienten ist Christine Richstein-Rocholl wichtig. Sie trägt seit 33 Jahren als Krankenschwester im EVK Lippstadt viel Verantwortung.

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