Nach einem Schlaganfall muss das Leben neu geordnet werden

Am 29. Oktober ist Welt-Schlaganfalltag. Vor fünf Jahren erlitt Julia Göbel einen Schlaganfall. Er äußerte sich durch plötzliche halbseitige Lähmungserscheinungen. Die damals Anfang Siebzigjährige war sofort alarmiert und ließ den Notarzt rufen, der sie in die Schlaganfallklinik des EVK Lippstadt brachte. Julia Göbel ist eine von 270.000 Menschen, die laut der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe jedes Jahr in Deutschland einen Schlaganfall erleiden. Damit ist der sogenannte „Hirninfarkt“ immer noch die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für Behinderungen im Erwachsenenalter. Dank des medizinischen Fortschrittes hat sich die Prognose in den letzten Jahren stark verbessert. Wichtig ist, dass die Symptome frühzeitig erkannt werden und eine zielgerichtete Therapie in einem spezialisierten Zentrum erfolgt.

„Das war ein Warnschuss. Da wollte mir das Leben etwas sagen,“ berichtet Julia Göbel heute von ihrem Schlaganfall. Nach dem einschneidenden Erlebnis musste sie Vieles neu erlernen. Sie stellte sich der Herausforderung mit regelmäßigem Reha-Sport, Sprachtraining und einer Ernährungsumstellung. Ähnlich erging es auch Lambert Hasslöwer. Eines Morgens hat er Schwierigkeiten beim Sprechen und Gehen, an einen Schlaganfall denkt er zu diesem Zeitpunkt nicht. Die Diagnose und eine zügige Behandlung erhält er im EVK Lippstadt. Julia Göbel und Lambert Hasslöwer haben Glück gehabt, beide führen heute wieder ein aktives Leben. Beeinträchtigungen aufgrund des Schlaganfalls sieht man ihnen als Außenstehender nicht an. Doch die Zeit nach dem Schlaganfall war für sie ein schwieriger Weg, „bei dem das ganze Leben neu geordnet werden musste“. Bei dieser „Neuordnung des Lebens“ hilft ihnen auch der Austausch mit anderen Betroffen im Rahmen der regelmäßigen Treffen der Selbsthilfegruppe Schlaganfall am EVK Lippstadt. Julia Göbel und Lambert Hasslöwer haben die Gruppe 2017 gemeinsam mit Susanne Musga, der Selbsthilfebeauftragen des Krankenhauses, ins Leben gerufen. Heute hat die Schlaganfallselbsthilfe in Lippstadt 18 Mitglieder. Auch Harald Grumme besucht die Treffen regelmäßig. Er erlitt seinen Schlaganfall vor zehn Jahren während der Arbeit. Drei Stunden hat der ehemalige Lastkraftwagenfahrer gelegen, bis Hilfe kam und nach einigen Untersuchungen endlich die Schlaganfallbehandlung eingeleitet wurde. Seitdem ist der 70jährige halbseitig gelähmt. „Es ist schlimm, wenn man plötzlich nicht mehr sein eigenes Schnitzel schneiden kann und immer Hilfe benötigt“, sagt der gestandene Mann traurig, aber doch mit einem verschmitzten Lächeln. Sein großer Halt ist seine Ehefrau Manuela. Sie ist immer an seiner Seite, sowohl bei den Treffen der Selbsthilfegruppe als auch beim Schlaganfall Rehasport des Vereins Spomobil, der jeden Donnerstag im EVK stattfindet.

„Zeit ist Hirn“, so die einfache Formel mit der Privatdozent Dr. Ingo Meister, Chefarzt der Klinik für Neurologie im EVK Lippstadt, die Dringlichkeit der Behandlung nach einem Schlaganfall auf den Punkt bringt. Meister leitet das Schlaganfallzentrum, die sogenannte Stroke Unit, des Krankenhauses. Hier werden Patienten in einer eigenen Einheit durch ein speziell ausgebildetes Team 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche versorgt und überwacht. Das Schlaganfallzentrum im EVK ist das einzige im Kreis Soest. Das Einzugsgebiet erstreckt sich bis in die Kreise Gütersloh, Warendorf und das Sauerland. „Das Tückische an einem Schlaganfall ist, dass er meist nicht weh tut. Die Symptome können ganz unterschiedlich sein“, erläutert Chefarzt Doktor Meister die Herausforderung den Hirnschlag zu erkennen. Eine plötzliche Asymmetrie des Gesichtes, Lähmungserscheinungen in Armen, Beinen und Gesicht und Probleme beim Sprechen, können mögliche Anzeichen für Durchblutungsstörungen im Gehirn sein. „Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte sofort die 112 gewählt werden“, appelliert Meister, der weiß, dass viele Menschen auch in einer solchen Situation einen Fehlalarm scheuen.

Für Patienten mit einem schweren Schlaganfall steht in Lippstadt ein besonderes Therapieverfahren zur Verfügung – die sogenannte Thrombektomie. Über einen kleinen Katheter wird das Blutgerinnsel direkt aus dem betroffenen Hirngefäß entfernt. „Die Thrombektomie ist ein sehr gut erprobtes Verfahren, mit dem wir die Prognose für den Patienten deutlich verbessern können“, so Ulrike Müller, Neuroradiologin und Chefärztin der Abteilung für Radiologie und Neuroradiologie im EVK. Besonders bei schwer betroffenen Patienten ist es wichtig, die durch den Schlaganfall beeinträchtigten Bereiche des Gehirns zügig wieder zu trainieren, um dem möglichen Verlust von geistigen und motorischen Fähigkeiten entgegenzuwirken. Im EVK Lippstadt beginnt die Frührehabilitation, eine gezielte Kombination aus Physio- und Sprachtherapie, deshalb in der Regel bereits innerhalb der 24 Stunden nach dem Schlaganfall.

Auch heute erinnert sich Julia Göbel noch gut an den ersten Satz ihres behandelnden Neurologen, Erwin Marke, auf der Stroke Unit im EVK: „Sie haben einen Schlaganfall, aber wir kriegen das hin.“

 

Kontakte für Interessierte:

 

Selbsthilfgruppe Schlaganfall Lippstadt

Lambert Hasslöwer, Telefon: 02941/ 59877

 

Spomobil e.V. Lippstadt Rehasport

Ulla Schlösser, Telefon: 02941/922887 

 

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